Steinbrecht:Von den Hülfen

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2. Von den Hülfen Unter Hülfen versteht man die Einwirkungen des Reiters auf sein Pferd, durch welche er demselben seinen Willen zu erkennen giebt. Es ist also gleichsam die Sprache, durch welche er sich mit seinem Pferde verständigt. Der Gehorsam des Pferdes gegen die Hülfen ist das Resultat der Furcht, die es vor den Schmerzen hat, welche ihm der Reiter im Falle des Ungehorsams durch seine Strafen bereiten würde. Indem es vor dem Sporn flieht, nimmt es auf den leisesten, kaum sichtbaren Druck des Schenkels die künstlichsten Stellungen und Biegungen seines Körpers an, und folgt dem feinsten Druck eines Fingers der Reiterhand willig in den schwierigsten Wendungen, weil es den beim Ungehorsam eintretenden schmerzhaften Druck des Gebisses fürchtet. Je nach dem Grade ihrer Stärke unterscheiden wir nun feinere und stärkere Hülfen; steigern sich aber diese Einwirkungen bis zur Erzeugung von Schmerz, so hören sie auf Hülfen zu sein, und werden zu Strafen. Es ist fast unglaublich, welchen Grad von Empfänglichkeit das vollkommen durchgebildete Pferd für feine Hülfen erhält, so daß es dem Uneingeweihten wunderbar erscheinen muß, wenn er ein solches Pferd unter seinem geschickten Reiter mit der größten Energie und Präcision arbeiten sieht, ohne irgend eine wahrnehmbare Hülfe von Letzterem, als ob das Thier seine Gedanken errathen könnte.