Zügelmaß

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Autor
Bianca Rieskamp

Die Zügelmaße in der klassischen Reitausbildung gemäß der H.Dv.12

Die Reitvorschrift [1]ist heutzutage bezüglich der Reitausbildung nicht nur aktuell, weil nach ihr ein Ausbilden bis zur hohen Schule möglich ist, sondern weil sie eine Systematik bietet, wie pferdeschonend für alle Disziplinen ausgebildet werden kann. Gerade heutzutage ist dieser Aspekt für jeden Reiter interessant, weil sich neben den drei Disziplinen Springen, Dressur und Vielseitigkeitsreiten, immer weitere Interessen der Reiter wie zum Beispiel Reiten mit gebissloser Zäumung oder das Reiten mit Halsring herausbilden.

Zur Zeit der Reitvorschrift war das erklärte Ziel nicht die höhere Dressurausbildung, sondern das sichere Beherrschen des Pferdes im Gelände von jedem durchschnittlichen Reiter. Auch gehörten neben den drei klassischen Disziplinen damals das Jagd- und Rennreiten zur Reiterausbildung mit dazu und fanden deswegen in der Reitvorschrift gesondert Erwähnung. Auch Reiten mit gebissloser Zäumung, ohne Sattel oder nur mit einer Art Halsring wurde anlässlich Schauvorführungen durchgeführt. Der Schwerpunkt lag damals also eindeutig in einer vielseitigen Ausbildung. Aus diesem Grund ist die Reitvorschrift für unsere Zeit, die vermehrt weg vom sportlichen Reiten führt, interessant und verwendbar.

Viele Details, welche die Reitvorschrift ausdrücklich erwähnt und die von anderen Reitlehren vielleicht vernachlässigt werden, sind auch heute noch von großer Bedeutung in der Ausbildung der Pferde für unsere heutigen Zwecke. So betont die Reitvorschrift, dass zum Reiten immer verschiedene Zügelmaße benötigt werden. Dabei wird zwischen dem Verbindung haltenden Zügel, dem langen , dem aufgenommenen Zügel in der Zusammenstellung und dem hingegebenen Zügel unterschieden.

Der Verbindung haltende Zügel

Der Verbindung haltende Zügel wird beim Anreiten der jungen Pferde benötigt. Er hält eine passive, möglichst leichte, Verbindung zum Pferdemaul, ohne dabei auf die Kopf- und Halshaltung einzuwirken. Der Reiter ist dabei jederzeit zum Nachgeben bereit, wenn das Pferd sich in die Tiefe dehnen möchte. Auch bei einem Korrekturpferd kann es gegebenenfalls sinnvoll sein, dieses Zügelmaß einzusetzen.[2]

In der Reiterausbildung findet der Verbindung haltende Zügel ebenfalls Verwendung. Wenn der Reitschüler gelernt hat, die Hände ruhig zu halten und die Zügel in die Hand bekommt, so reitet er in den ersten Wochen ebenfalls mit dem Verbindung haltenden Zügel, er lässt durch Mitgehen mit der Hand also jede Kopf- und Halsbewegung des Pferdes zu. Dies war in der Reitausbildung gemäß der Reitvorschrift problemlos möglich, da das Motto umgesetzt wurde, dass ein Reitanfänger immer auf ein ausgebildetes Pferd kam. Solche Pferde gingen in einer korrekten Haltung mit einer leichten Verbindung. Durch das Mitgehen der Hände und Arme in die Bewegungen von Kopf und Hals des Pferdes bekam der Reitschüler das Gefühl.dafür, wie sich eine weiche, korrekte Anlehnung anfühlt. Außerdem ging es ihm ins Reitergefühl über, dass er mit der Hand jederzeit zum Nachgeben bereit sein müsse. Desweiteren wurde durch das Mitgehen verhindert, dass er versuchte, fälschlicherweise mit der Hand die Kopf- und Halshaltung des Pferdes formen zu wollen.

Am langen Zügel

Am langen Zügel mit einhändiger Zügelführung.JPG

Beim Reiten am langen Zügel soll sich das Pferd in die Tiefe dehnen bei hergegebenem Genick, aus dem Widerrist fallengelassenem, langgemachten Hals und der Stirn-Nasenlinie an der Senkrechten. Der Reiter nimmt dazu, wie in der Zusammenstellung, eine Verbindung zum Pferdemaul auf und fordert im Gegensatz zum Verbindung haltenden Zügel beim Einreiten einer Remonte dabei die Hergabe des Genicks. Im Gegensatz zur Zusammenstellung ist beim Reiten am langen Zügel der Zügel deutlich länger und das Pferd geht nicht mit dem Genick als höchstem Punkt, sondern in der oben beschriebenen Haltung. Damit der Reiter den Unterschied zwischen langem Zügel und aufgenommenen Zügeln in der Gebrauchshaltung im Unterricht erkennt, lautet das Kommando dazu:"Am langen Zügel in die Tiefe aufnehmen." Dies erfolgt aus dem Reiten mit hingegebenem Zügel im Schritt.

Der aufgenommene Zügel

Rahmenerweiterung im Mitteltrab

Soll der Zügel in die Gebrauchshaltung aufgenommen werden, so lautet das Kommando beispielsweise:"Das Pferd im Mittelschritt zusammenstellen." In der Gebrauchshaltung ist immer das Genick der höchste Punkt und die Stirn-Nasenlinie nicht in, sondern an oder leicht vor der Senkrechten. Wie deutlich die Nase vor der Senkrechten ist, hängt ab vom Exterieur und Ausbildungsstand des Pferdes. Die Gebrauchshaltung wird benötigt für alle Tempi außer der Versammlung. In den höheren Tempi wie zum Beispiel dem Mitteltrab wird der Rahmen in der Gebrauchshaltung erweitert durch ein etwas weiteres Vorgehen der Nase vor die Senkrechte bei weiterhin Genick als höchstem Punkt.

Dressurhaltung im versammelten Trab

In der Versammlung geht das Pferd nicht in einer Gebrauchshaltung, sondern in der sogenannten Dressurhaltung. Dabei ist ebenfalls das Genick der höchste Punkt, die Stirn-Nasenlinie aber nur noch leicht vor oder in der Senkrechten bei gerundeterem Hals des Pferdes. Für die Dressurhaltung wird in der Reitvorschrift kein gesondertes Zügelmaß erwähnt. Dies hat seinen Grund darin, dass diese vermehrte Zusammenstellung des Pferdes eben nie durch die Hand bewirkt werden darf. Der Reiter soll also gar nicht erst in Versuchung kommen, sein Pferd durch Kürzerfassen der Zügel und Einwirkung vorrangig mit diesen in eine Dressurhaltung zu bringen.

Der hingegebene Zügel

Hingegebener Zügel.JPG

Der hingegebene Zügel wird gemäß der Reitvorschrift auch in der Dressurausbildung vielfältiger und sinnvoller genutzt, als es heutzutage regelmäßig der Fall ist. In der heutigen Zeit sieht man gerade in der Spring- und Dressurausbildung den hingebenen Zügel häufig nur am Anfang und am Ende der Stunde im Schritt und bestenfalls noch in Schrittpausen mittendrin. Der hingegebene Zügel war gemäß der Reitvorschrift der absolute Gradmesser dafür, dass der Reiter sein Pferd am Sitz hat und dass es völlig zwanglos, also frei von Spannung, geht. Deswegen wurde der hingegebene Zügel in verschiedener Weise eingesetzt. Die Remonten sollten bei weiterer Ausbildung ausdrücklich lernen, mit hingegebenem Zügel zu galoppieren. Bei weiter ausgebildeten Pferden sollte jederzeit, auch nach dem Reiten höherer Lektionen, wie zum Beispiel fliegender Wechsel, sofort ein Hingeben des Zügels in jeder Gangart möglich sein, ohne dass das Pferd wegeilte. Herr Schwabl von Gordon kennt zum Beispiel von seinem Vater, der Reitlehrer an der Kavallerieschule Hannover war, folgende Übungsreihe: Serienwechsel, direkt nach dem letzten Wechsel im Galopp den Zügel ganz hingeben, dabei einhändige Zügelführung und sofort im Galopp zulegen. Danach Schrittreiten bei weiterhin hingegebenen Zügeln, das Durchparieren erfolgte über den Sitz und durch ein kurzes, meist nur angedeutetes Hineingreifen mit einer Hand in beide Zügel. Auch das Reiten von gebogenen Linien wie Zirkeln sollte mit hingegebenem Zügel bei einhändiger Zügelführung möglich sein. Alle Zügelmaße in der Reitvorschrift hatten eine wichtige Gemeinsamkeit: Das Pferd sollte vom Zügel loskommen, dementsprechend vor allem am Sitz des Reiters sein, um ein durchlässiges, mit Schwung dahingehendes, aber völlig spannungsfreies Pferd zu erhalten, welches auf zeichenartige Hilfen reagiert und sich auch auf Trense mit einhändiger Zügelführung reiten lässt.

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Quellenangaben

  1. Reitvorschrift H.Dv.12; 29. Juni 1912; Ausgabe 1926; Mittler & Sohn, Berlin Wikipedia.de
  2.  Schwabl v. Gordon, Gert; Rieskamp, Bianca: Die klassische Reitlehre in der Praxis gemäß der H.Dv.12. Olms Verlag, 2012, ISBN ISBN 978-3487084954, S. ?-?.Lua-Fehler: Der Prozess konnte nicht erstellt werden: proc_open(/dev/null): failed to open stream: Operation not permitted