Gebrauchshaltung - Dressurhaltung

From Reitlehre Wiki
Revision as of 16:36, 8 February 2016 by Knut (talk | contribs)
(diff) ← Older revision | Latest revision (diff) | Newer revision → (diff)
Jump to navigation Jump to search
Autor
Bianca Rieskamp)

Begriffsdefinition

Gebrauchshaltung mit Rahmenerweiterung im Mitteltrab bei einhändiger Zügelführung und Überstreichen.
Dressurhaltung mit gebissloser Zäumung im verkürzten Trab.

Die richtige Zusammenstellung des Pferdes, die ihren Ausdruck auch in der korrekten Gebrauchs- und Dressurhaltung findet, ist ein Wegweiser für die richtige und gesunderhaltende Ausbildung jeden Pferdes. [1] [2] [3]

Beschreibung

Der Kopf- und Halshaltung des Pferde wird heutzutage einerseits viel Beachtung geschenkt, andererseits wird die korrekte Haltung von Pferdekopf und Pferdehals oft vernachlässigt oder nicht mehr als das angesehen, was sie ist: Der "Uhrzeiger des Pferdes, ob die Ausbildung gemäß der klassischen Reitlehre in richtiger Weise erfolgt ist." (Gert Schwabl von Gordon)

Die klassische Reitlehre unterscheidet zwischen der Gebrauchs-und der Dressurhaltung. Die Gebrauchshaltung ist die Haltung, in der das Pferd in den Arbeitstempi gehen soll. Es ist folglich die Haltung, die in der Zusammenstellung des Pferdes am meisten benötigt wird.

In der Gebrauchshaltung ist immer das Genick der höchste Punkt und die Stirn-Nasenlinie nicht in, sondern leicht vor der Senkrechten. Wie deutlich die Nase vor der Senkrechten ist, hängt ab vom Exterieur und Ausbildungsstand des Pferdes. Die Rundung des Pferdehalses ist in der Gebrauchshaltung nicht so deutlich ausgeprägt wie in der Dressurhaltung. Bei einer vierjährigen Remonte kann der Hals bei hergegebenem Genick nahezu gerade wirken; trotzdem ist diese Haltung korrekt, wenn dabei das Genick hergegeben ist und den höchsten Punkt bildet und die Verbindung zwischen Reiterhand und Pferdemaul leicht ist. Mit zunehmender Ausbildung, abhängig vom Schwung und auch einer Spur beginnender Tragkraft des Pferdes, wird die Halsung in der Gebrauchshaltung von selbst etwas runder werden.

In den höheren Tempi, wie zum Beispiel dem Mitteltrab, wird der Rahmen in der Gebrauchshaltung erweitert durch ein etwas weiteres Vorgehen der Nase vor die Senkrechte bei weiterhin Genick als höchstem Punkt. Der Hals des Pferdes dehnt sich dabei folglich etwas nach vorne, nicht nach unten. Das Pferd trägt sich weiterhin selbst, ohne ins Eilen zu kommen, ein Überstreichen ohne Verlust der korrekten Hals- und Kopfhaltung muss auch dabei möglich sein.

In der Versammlung geht das Pferd nicht in einer Gebrauchshaltung, sondern in der sogenannten Dressurhaltung. Dabei ist ebenfalls das Genick der höchste Punkt, die Stirn-Nasenlinie aber an oder in der Senkrechten bei gerundeterem Hals des Pferdes. Der Hals des Pferdes wölbt sich aus dem Widerrist etwas höher heraus im Vergleich zur Gebrauchshaltung. Der Reiter hat das Gefühl, dass das Pferd vor dem Sattel etwas wächst. Die vermehrte Halsrundung und das Höherstellen des Halses darf nicht dazu führen, dass das Pferd kurz im Hals wird und den Hals quasi in den Widerrist zurückschiebt.  Erkennbar ist dieses fehlerhafte Gehen zum Beispiel an einem angespannten Unterhals, nicht sichtbarer Drosselrinne, eingezwängten Ganaschen, hörbarer Atmung des Pferdes, festgehaltenem Rücken oder schleppender Hinterhand. Die Dressurhaltung wurde dann nicht durch eine korrekte Versammlung bewirkt, es handelt sich in so einem Fall nicht um eine relative Aufrichtung, sondern um eine absolute. Häufig hat der Reiter dann diese nicht durch versammelnde Lektionen erarbeitet, sondern durch ein Höherstellen und vermehrtes Runden des Halses durch seine Handeinwirkung die Dressurhaltung bewirken wollen.

Die Dressurhaltung darf folglich nicht einfach durch ein Kürzerfassen der Zügel bewirkt werden. Sie ergibt sich vielmehr bei korrekter Ausbildung von selbst aus den versammelnden Lektionen in der weiteren Ausbildung des Pferdes. 

Für die Ausbildung des Pferdes ergeben sich aus den obigen Ausführungen für die Praxis folgende Hinweise:

  • Ob Gebrauchs-oder Dressurhaltung, bei beiden ist immer das Genick der höchste Punkt und die Stirn-Nasenlinie nicht hinter der Senkrechten.
  • Die Anlehnung soll in beiden Haltungen immer leicht sein, was durch häufiges Überstreichen überprüft werden soll.
  • Bei weiterer Ausbildung und zunehmender Versammlung soll die Anlehnung gemäß der klassischen Reitlehre immer leichter werden. In der Dressurhaltung soll die Verbindung zwischen Reiterhand und Pferdemaul folglich noch leichter sein als in der Gebrauchshaltung.
  • Wie lange in der jeweiligen Haltung geritten wird, liegt nicht im Gutdünken des Reiters. Vielmehr muss dieser sich nach dem Pferd richten, nach dessen Ausbildungsstand, dem Exterieur, der Beschaffenheit der Reitbahn und der Tagesform des Pferdes.
  • Die Gebrauchshaltung wird anfangs beim jungen Pferd nur für wenige Tritte entwickelt, dann wird wieder in die Tiefe geritten.
  • Auch beim weiter ausgebildeten Pferd darf die Gebrauchshaltung nicht zu lange gefordert werden. Sie muss immer wieder unterbrochen werden durch das Reiten in die Tiefe und durch Schrittpausen mit hingegebenem Zügel.
  • Die Rahmenerweiterung in den Verstärkungen ist der Prüfstein dafür, ob die Zusammenstellung in der Gebrauchshaltung und/oder der Dressurhaltung korrekt war. Erweitert das Pferd trotz deutlichen Vorgebens des Reiters mit der Hand nicht seinen Rahmen, in dem es bei Genick als höchstem Punkt mit der Stirn-Nasenlinie deutlicher vor die Senkrechte kommt, so ist das häufig ein Zeichen für eine Anspannung im Pferd, ausgehend von einer falschen oder vielleicht zu lange beibehaltenen Zusammenstellung.
  • Die Zusammenstellung in der Dressurhaltung darf immer nur für wenige Runden beibehalten werden, da ansonsten Losgelassenheit, die korrekte Selbsthaltung und der Schwung verloren gehen. Anfangs ist sie beim Pferd, welches mit der Versammlung beginnt, noch kürzer zu fordern.
  • Beim weiter ausgebildeten Pferd soll ein Reiten in der Gebrauchs-und/oder Dressurhaltung auch mit einhändiger Zügelführung möglich sein, ohne dass sich dabei Fehler wie zum Beispiel ein falscher Knick zeigen.
  • Die Dressurhaltung wird nur in der Versammlung in der Dressur gefordert. Beim Ausreiten ist diese Haltung nicht sinnvoll, da das Pferd auf unebenem Boden mehr Halsfreiheit benötigt, um sich ausbalancieren zu können. Deswegen ist im Gelände das Reiten mit hingegebenem Zügel, das Reiten am langen Zügel in der Tiefe und die Gebrauchshaltung das Mittel der Wahl..

Einzelnachweise

  1.  Schwabl von Gordon, Gert; Rieskamp, Bianca: Das Buch der 300 reiterlichen Fragen und ihre Beantwortung im Sinne der klassischen Reitlehre H.Dv.12(Documenta Hippologica). Georg Olms Verlag, Gütersloh {{#invoke:Vorlage:FormatDate|Execute}}, ISBN 978-3487085548.{{#invoke:TemplatePar|check |all= |opt= Autor= Titel= Titel-P= TitelErg= Herausgeber= Sammelwerk= WerkErg= Auflage= Reihe= Band= Nummer= Jahr= Monat= Tag= Datum= Verlag= Ort= Typ= Online= Kapitel= Spalten= Seiten= Kommentar= Zugriff= arxiv= DOI= LCCN= DNB= ZDB= PMID= PMC= OCLC= URN= ISBN= ISSN= ISBNistFormalFalsch= Originaltitel= Originalsprache= Originalort= Originaljahr= Übersetzer= |cat= Wikipedia:Vorlagenfehler/Vorlage:Literatur |template= Vorlage:Literatur |format= |preview=@@@ }}
  2.  unter anderem: von Heydebreck, Lauffer: DReitvorschrift H.Dv.12. Mittler und Sohn, Berlin {{#invoke:Vorlage:FormatDate|Execute}}.{{#invoke:TemplatePar|check |all= |opt= Autor= Titel= Titel-P= TitelErg= Herausgeber= Sammelwerk= WerkErg= Auflage= Reihe= Band= Nummer= Jahr= Monat= Tag= Datum= Verlag= Ort= Typ= Online= Kapitel= Spalten= Seiten= Kommentar= Zugriff= arxiv= DOI= LCCN= DNB= ZDB= PMID= PMC= OCLC= URN= ISBN= ISSN= ISBNistFormalFalsch= Originaltitel= Originalsprache= Originalort= Originaljahr= Übersetzer= |cat= Wikipedia:Vorlagenfehler/Vorlage:Literatur |template= Vorlage:Literatur |format= |preview=@@@ }}
  3.  Schwabl von Gordon, Gert; Rieskamp, Bianca: Die klassische Reitlehre in der Praxis gemäß der H.Dv.12 (Documenta Hippologica). Georg Olms Verlag, Gütersloh {{#invoke:Vorlage:FormatDate|Execute}}, ISBN 978-3487084954.{{#invoke:TemplatePar|check |all= |opt= Autor= Titel= Titel-P= TitelErg= Herausgeber= Sammelwerk= WerkErg= Auflage= Reihe= Band= Nummer= Jahr= Monat= Tag= Datum= Verlag= Ort= Typ= Online= Kapitel= Spalten= Seiten= Kommentar= Zugriff= arxiv= DOI= LCCN= DNB= ZDB= PMID= PMC= OCLC= URN= ISBN= ISSN= ISBNistFormalFalsch= Originaltitel= Originalsprache= Originalort= Originaljahr= Übersetzer= |cat= Wikipedia:Vorlagenfehler/Vorlage:Literatur |template= Vorlage:Literatur |format= |preview=@@@ }}